Ein paar Gedanken zum Thema Meditation …

… in Anlehnung an einen Vortrag des tibetischen Mönchs Geshe Thubten Ngawangs im Tibetischen Zentrum HH.

In den Schriften der buddhistischen Philosophie wird betont, dass Muße und Genügsamkeit wichtige Voraussetzungen für das Gelingen der konzentrativen Meditation sind.

Konzentration ist die vollkommene Sammlung im gegenwärtigen Augenblick, gerichtet auf ein einziges Objekt. Man kommt somit zum Wesentlichen und verzichtet auf alles, was nicht notwendig ist.

Damit befreit man sich von starken Emotionen, inneren Dialogen und entfesselten Gedanken - nicht durch Kampf, sondern weitaus wirksamer auf der Basis eines zufriedenen, heiteren Geistes, der einfach im gegenwärtigen Moment verweilt und glücklich ist.

Die konzentrative Meditation ist im Prinzip eine wahre Erholung für den erschöpften Geist, der sich eine Zeit lang mit nichts anderem zu beschäftigen hat als mit einem einzigen Objekt.

Das ist im Grunde sehr erholsam, sofern die Muße da ist, eine Zeit lang ungestört zu meditieren. Für diejenigen, die Anforderungen von außen zu erfüllen und Arbeiten zu erledigen haben, usw., sieht es natürlich anders aus. Es könnte passieren, dass sie so aufgewühlt sind wenn sie sich zur Meditation niedersetzen, dass sie quasi in die Schlacht ziehen, um die vielen Gedanken zu bändigen, …. und kaum ist die Sitzung beendet, warten neue Aufgaben auf sie.

Daher ist für Menschen westlicher Konsumgesellschaften von den zahlreichen Meditationsformen die konzentrative vielleicht am schwierigsten.

Von Kindheit an prasseln unzählige Eindrücke und Reize auf uns nieder und dringen in das Bewusstsein ein: Fernsehen, Radio, Internet, Werbung allerorten, Zeitschriften, Gespräche, Telefon etc. - Bewusstsein im Belagerungszustand. Gedanken reihen sich aneinander wie auf einer Endlos-Kassette und beschäftigen den Geist manchmal bis tief in die Nacht hinein.

Stille ist selten und kann sogar als unheimlich empfunden werden, denn sie macht den „inneren Lärm“ auf höchst unangenehme Weise hörbar. In dieser Situation ist es gewiss nicht leicht, sich in der konzentrativen Meditation für eine Zeit lang auf ein einziges Objekt zu beschränken.

Die Übung der Konzentration oder "Geistigen Ruhe" besteht darin, den Geist auf ein einziges Meditationsobjekt zu richten (z.B. den Atem). Wenn er abschweift, werden Gedanken, die nichts mit dem Objekt zu tun haben, als solche erkannt, und der Geist immer wieder sanft (aber bestimmt) zum Meditationsobjekt zurückzuführt.

(… keineswegs mit Gewalt ! - siehe auch weiter unten im Text)

Insofern steht diese Übung genau im Gegensatz dazu, wie wir uns normalerweise verhalten: Im gewöhnlichen Leben lassen wir den Gedanken freien Lauf, suchen begierig nach Ablenkungen und denken assoziativ. Was immer uns einfällt, wird verknüpft mit einem Netz weiterer Vorstellungen und Ideen, aus denen wir wieder neue Gedankenkonstrukte spinnen.

Die Kunst der Konzentration besteht darin, all diese Gedanken loszulassen und den Geist zu fokussieren.

Es geht nicht darum, das Meditationsobjekt krampfhaft festzuhalten, bis Körper und Geist komplett verspannt sind, sondern einfach alles loszulassen, was vom Objekt ablenkt und eigentlich auch überflüssig ist.

Der Begriff "Geistige Ruhe" deutet darauf hin, dass es um dieses Loslassen, die innere Stille geht und nicht um eine brachiale Methode, den umherwandernden Geist in die Knie zu zwingen.

Geshe Thubten Ngawang wies einmal darauf hin, dass man nicht mit Gewalt meditieren und das Nervenkostüm überfordern solle. „Im Westen erhofften die Übenden oft zu schnell Erfolge und versuchten, Meditation zu erzwingen. Willenskraft und Anstrengung allein reichten jedoch nicht aus. Es müssten viele heilsame Ursachen und Umstände zusammenkommen, damit das Pflänzchen Meditation gedeiht“, so Geshe Thubten Ngawang. „Das Objekt, mit dem wir uns vertraut machen möchten, ist die Meditation. Das tibetische Wort für Meditation ist Gom. Es bedeutet wörtlich übersetzt "sich mit dem Objekt vertraut machen" oder auch schlicht: „üben“. ....
Lassen sie sich also nicht entmutigen, wenn ihr Geist immer wieder abschweift, denn um Fortschritte zu verzeichnen, bedarf es vor allem regelmäßiger Übung und einer gehörigen Portion Geduld mit sich selbst.“